Gefährliche «Ewigkeitschemikalien»: Geht Textilproduktion ohne PFAS?
Bestimmt hast du auch schon mal von PFAS oder «Ewigkeitschemikalien» gehört, denn sie begegnen uns im Alltag in vielen Produkten. Aufgrund ihrer abweisenden Eigenschaften gegenüber Fett, Schmutz und Wasser werden PFAS (per- und polyfluorierte Alkylverbindungen) auch in Textilien häufig verwendet. Obwohl sie in der Umwelt kaum abbaubar und die Risiken für die Umwelt sowie für uns Menschen belegt sind, werden PFAS immer noch verwendet, selbst wenn Alternativen vorhanden sind. Wir finden, da hilft vor allem Aufklärung. Denn Textilproduktion ohne PFAS ist möglich!
Hast du gewusst, was genau PFAS sind? Dieser Begriff bezeichnet eine Gruppe von mehreren 1‘000 synthetischen Industriechemikalien, die seit den 70er-Jahren in zahlreichen Anwendungen eingesetzt werden. PFAS werden aus vielen unterschiedlichen Gründen eingesetzt. In Textilien vor allem, weil sie schmutz- und wasserabweisend sind. Von den bereits untersuchten PFAS weiss man aber auch, dass viele PFAS negative Effekte auf den Stoffwechsel, den Hormonhaushalt, die Fortpflanzung oder das Immunsystem haben können. Einige stehen auch im Verdacht, krebserregend zu sein.
In der Umwelt sind PFAS «nahezu nicht abbaubar», gelten daher als «Ewigkeitschemikalien» und reichern sich in Böden und Sedimenten, in Tieren und Pflanzen und auch im menschlichen Körper an. PFAS können während ihrer Herstellung, bei der Verarbeitung in Produkte, aber auch bei der Nutzung oder Entsorgung dieser Produkte in die Umwelt gelangen. Man findet sie mittlerweile überall in der Umwelt – selbst an den abgelegensten Orten der Welt.
Auch in der Schweiz wurden PFAS schon an vielen Orten nachgewiesen. Im Jahr 2025 hat das Bundesamt für Umwelt (BAFU) Grundwassertests mit den Städten Basel, Zürich und Genf durchgeführt. Dabei wurde festgestellt, dass PFAS knapp in der Hälfte der Messstellen im Grundwasser vorkommen, die Grenzwerte werden momentan zumindest aber nur an einer Stelle überschritten.
Teilweise verboten und besonders besorgniserregend
In der Chemikalien-Risikoreduktions-Verordnung wurden bereits verschiedene Herstellungs-, Inverkehrbringens-, Import- und Verwendungsverbote für PFAS in der Schweiz erlassen. Eine Regulierung zu weiteren PFAS wie auch zu allen PFAS in Schaumlöschmitteln und Einweg-Lebensmittelkontaktmaterialien ist in Vorbereitung. In der EU ist ausserdem eine umfassende Beschränkung, also ein Verbot mit bestimmten Ausnahmen für Verwendungen, für alle PFAS in Vorbereitung.
Zurzeit wird die Beschränkung von zwei Ausschüssen der Europäischen Chemikalienagentur beurteilt. Die EU-Kommission könnte aber schon 2027 eine Entscheidung über die Beschränkung fällen. In der Schweiz wird dann im Anschluss eine Übernahme einer solchen Beschränkung geprüft werden. Der Bundesrat hat ausserdem für die Schweiz einen Aktionsplan beschlossen, der helfen soll, den Umgang mit langlebigen Chemikalien wie PFAS besser zu koordinieren.
Warum werden PFAS eingesetzt?
Aufgrund ihrer besonderen Stoffeigenschaften, etwa ihrer schmutz- und wasserabweisenden Wirkung, werden sie in vielen unserer Alltagsprodukte verwendet. Auch in unserer Kleidung und Heimtextilien kommen sie oft vor:
- Innenausstattung zuhause wie: Lederwaren, Teppiche, Strickgarn, Sofas
- Hygieneartikel wie: Periodenunterwäsche
- Outdoor- und Alltagskleidung wie: Schuhe, Jacken, Imprägniermittel
(PFAS werden aber auch in Smartphones, Batterien, Dichtungen, Schmiermitteln, Farben, Lacken, Skiwachs, Kosmetika und auch in Prozessen der Galvanik, Halbleiterherstellung oder Chemie verwendet. Eine wissenschaftliche Studie von 2020 hat über 200 verschiedene Anwendungen der PFAS identifiziert.)
Wasserschutz ohne PFAS-Schmutz
Damit ist auch die Antwort, ob und wie PFAS durch bessere Alternativen ersetzt werden können, nicht einfach. Für viele Anwendungen gibt es bereits Alternativen, die auch schon auf dem Markt sind. Manchmal sind diese Alternativen jedoch teurer oder Prozesse in der Herstellung müssen umgestellt werden, was zum Teil aufwendig ist. Es gibt auch nicht die eine Alternative zu allen PFAS-Anwendungen, sondern für jede Anwendung muss geschaut werden, warum PFAS eingesetzt werden und wie sie ersetzt werden können. Die Wirtschaftsverbände erklären oft, dass PFAS für bestimmte zentrale Technologien unverzichtbar seien. Dies wurde auch von Stephan Mumenthaler, Direktor des Wirtschaftsverbands der Chemie- und Pharmabranche Scienceindustries, gegenüber SRF so erläutert. Martin Scheringer, Professor für Umweltchemie an der ETZ Zürich, hält im gleichen Beitrag dagegen und gibt an, dass es für viele PFAS-Anwendungen seit Längerem marktreife Alternativen gäbe.
Hoffnung macht auch, dass die Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa) im Jahr 2024 gemeinsam mit Textilunternehmen eine Beschichtung von Textilfasern entwickelt, die mit Siloxanen arbeitet. Erste Analysen haben laut Empa gezeigt, dass diese Fasern Wasser sogar noch stärker abweisen und schneller trocken als herkömmliche Produkte.
Verfügbare PFAS-freie Alternativen aus der Outdoor-Szene
Es gibt aber auch viele Firmen, die einen proaktiven Weg einschlagen und aktiv nach Alternativen suchen und dann auch auf PFAS-frei umstellen. Die NGO Chemsec hat inzwischen über 120 Firmen zusammengebracht, welche dabei sind, auf PFAS zu verzichten.
Motivierend zu sehen ist auch, dass es ambitionierte Schweizer Unternehmen gibt, die die Problematik nicht nur sehen, sondern auch aktiv an Lösungen und Alternativen arbeiten. Zwei dieser Pioniere, wenn es um Outdoor-Kleidung geht, sind Odlo und Mammut.
Odlo International AG macht es für ihre Kollektion Spring/Summer 2026 möglich: Sie bieten ein komplett PFAS befreites Sortiment an. Die Umstellung auf eine alternative wasserabweisende Beschichtung ist Teil des «Choose with Care-Engagement» und für Odlo ein wichtiger strategischer Schritt, um sich als Kleidungshersteller von diesen Chemikalien zu entfernen.
Auch die Mammut Sports Group AG arbeitet an ihrer Textilproduktion ohne PFAS: Aktuell sind sämtliche Schlafsäcke und Gurte von PFAS befreit. Das langfristige Ziel ist zudem ein vollständiger Verzicht auf diese Chemikalien in allen Produktkategorien bis spätestens Sommer 2027.
Andere Anbieter PFAS-freier Produkte findet Ihr auf der Seite PFAS Central des Green Science Policy Institutes.
Was kannst du tun für eine Textilproduktion ohne PFAS?
- Eigenes Handeln hinterfragen: Welche Anforderungen müssen meine Kleidungsstücke oder Textilien haben. Brauche ich sie für extreme Anforderungen oder eher für den Alltag?
- Risiken kennen: Besonders Textilien und Kleidung begegnen uns im Alltag hautnah. Aber auch die Herstellung der Textilien und Kleidung hinterlässt einen Fussabdruck. Wer sich hier bewusst für umweltfreundliche und PFAS-freie Produkte entscheidet, hilft PFAS-Emissionen zu vermeiden.
- Finde Alternativen: Suche nach umweltfreundlicheren Ersatzprodukten, oft sind PFAS-freie Textilien gelabelt als «PFAS-frei», «PFC-frei» oder «Fluorcarbon-frei».
Im Übrigen gibt es auch Labels, die den Einsatz von PFAS ausschliessen. Beispiele wären GOTS, Bluesign, OEKO-TEX Standard 100 oder Cradle-to-Cradle Produkt Standard.
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