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Modezukunft anziehen: Innovative Materialien auf dem Vormarsch

Nachhaltigkeit lebt von Innovation – besonders in der Textilindustrie. In den letzten Jahren sind wegweisende Alternativen zu herkömmlichen Stoffen entstanden, die echten Wandel vorantreiben. Da es gar nicht so leicht ist, bei all den neuen Technologien up-to-date zu bleiben, geben wir euch hier einen kompakten Überblick über ausgewählte innovative und nachhaltige Materialien.

Mit unseren Kaufentscheidungen gestalten wir die Welt alle mit. Wobei folglich auch der Markt und die Materialverfügbarkeit eine Rolle spielt. Deshalb ist der zunehmende Einsatz von nachhaltigen Materialien in der Mode- und Textilproduktion ein entscheidender Schritt. Und dahinter stehen interessante Innovationen innerhalb der Branche, die es uns ermöglichen, etwas gegen die damit verbundene Umweltbelastung und Ausbeutung unserer Ressourcen zu bewirken.

Nachhaltiges Handeln ist aber kein Schalter, der im Alltag einfach umgelegt werden kann. Es ist ein Prozess, der bewusst gestaltet wird und nur als Zusammenspiel auf ineinandergreifenden Ebenen richtig Wirkung entfaltet. Neben unseren aktiven Entscheidungen als Konsument:innen, betrifft dies auch die Grundsätze, welche die Industrie und Unternehmen vorantreiben. Und was dort geschieht, ist vielversprechend.

Was macht ein Textilmaterial nachhaltig?

Gemeinsam mehr bewirken, Entwicklungen vorantreiben und vorhandene Innovationen endlich auf die Strasse bringen: Genau hier setzt der Verein Sustainable Textiles Switzerland (STS) an. Mit seinem Unterstützungsrahmen begleitet er Akteur:innen im Textil- und Bekleidungssektor dabei, «entlang ihrer gesamten Lieferkette sozial und umweltverträglich zu handeln und transparente Nachhaltigkeitskriterien in ihre Organisation zu integrieren».

Aber was genau sind nachhaltige Textilien: Was definiert sie, wie werden sie produziert und wo genutzt?

Bananatex von QWSTION (CH, 2018)

Was ist das?
Robustes, strapazierfähiges und wasserabweisendes Textilgewebe aus den Fasern der Abacá-Bananenpflanze.

Warum nachhaltig?
Bananatex zeichnet sich laut QWSTION unter anderem durch den natürlichen Rohstoff aus. Das bedeutet, es ist eine zu 100 % Pflanzenfaser, sie ist plastikfrei und zu mehr als 90 Prozent biologisch abbaubar.

Zudem ist der ressourcenschonenden Gewinnungsprozess bemerkenswert, denn die Pflanze ist selbstversorgend und benötigt kein zusätzliches Wasser oder Dünger. Darüber hinaus fördert das Wachstum der Bananenpflanze die Biodiversität und die Wiederaufforstung von gerodeten Flächen.

Neben den positiven Effekten bezüglich der Natur, generiert der Anbau auch eine stabile Lebensgrundlage für lokale Bauern und Bäuerinnen.


Worin liegen Herausforderung und Potenzial?

Unser Fazit: Bitte mehr davon!        


Wo zu finden: Bananatex wird verwendet in eigener Produktlinie (Bild) sowie bei Marken wie: Dior, H&M und Stella McCartney.


Piñatex und Piñayarn von Ananas Anam (UK, 2015 / 2022)

Was ist das?
Eine aus den Ananasblättern gewonnene Rohfaser namens Anam PALF, die anschliessend zu Garn (Piñayarn) oder einem lederähnlichen Vliesstoff (Piñatex) weiterverarbeitet wird.

Warum nachhaltig?
Die Blätter, von denen die Rohfaser stammt, sind Überbleibsel der Ernte, die sonst verbrennt werden würden.

Neben der Tatsache, dass beide Materialien natürlichen Ursprung haben und durch das Verwenden des «Ernteabfalls» ein thermisches Recyceln verhindert werden kann (ja, verbrennen) – kommt hinzu, dass sie eine interessante, vergleichbare Alternative (zu Leder und Garn) für den Textilmarkt darstellen. Ein weiteres Plus: Piñatex punktet als veganer Lederersatz definitiv auch aus Sicht der Tierschutzperspektive und hinterlässt einen geringeren ökologischen Fussabdruck als tierisches Material.

Worin liegen Herausforderung und Potenzial?
Beides sind tolle Alternativen zu synthetischen Stoffen. Allerdings ist bei Piñatex zu beachten, dass das Material nicht biologisch abbaubar ist (FAQs: «Is Piñatex biodegrable?»). Pinayarn ist jedoch biologisch abbaubar.

Wo zu finden: Piñayarn wird beispielsweise verwendet in Produkten von Armed Angels (Bild).

Econyl von Aquafil (IT, 2011)

Was ist das?
Recyceltes Nylon, das unter anderem aus gesammelten Fischernetzen und Industrieplastik stammt.  

Warum nachhaltig?
Durch ein spezielles chemisches Vorgehen wird Nylon-Abfall zurück in seine ursprünglichen Bestandteile (Monomere) zerlegt.

Durch dieses Vorgehen wird Müll wiederverwertet und ein geringerer ökologischer Fussabdruck verursacht, als bei der üblichen, öl-basierten Neuproduktion entstehen würde. In Zahlen ausgedrückt bedeutet das, dass pro 10’000 Tonnen Rohmaterial, die man braucht, um Econyl-Nylon zu produzieren, 70’000 Tonnen Erdöl gespart werden können.

Worin liegen Herausforderung und Potenzial?
Der Recycling-Kreislauf als Alternative zur thermischen Verwertung ist prinzipiell eine gute Sache – aber: Nylon bleibt eben bleibt Nylon. (bedeutet: es gehört zu den Polyamiden, kann unter anderem zu Mikroplastik zerfallen und ist nicht biologisch abbaubar – siehe Artikel zu Materialien) Aber auch das chemische Recycling benötigt Energie, hinterlässt Rückstände und wird deshalb von Forschenden und Umweltschützer:innen kritisch gesehen.

Wo zu finden: Wird beispielsweise verwendet in eigner Econyl-Produktlinie (Bild). Zudem auch in Stirnbändern und Mützen von Mammut und bei Marken wie Prada, Burberry und Gucci. (Übrigens: Mammut hat dazu im Rahmen des «Close The Loop»-Projekts Nylon aus eigenen Seilen beigesteuert, welches dann durch die Aquafil-Technologie zu Econyl umgewandelt wurde.)

naNea von OceanSafe (CH, 2023)

Was ist das?
Biologisch abbaubarerer Polyester, da es aus bio-basiertem oder recyceltem Rohstoff hergestellt wird.

Warum nachhaltig?
Die spezielle Struktur ermöglicht gemäss OceanSafe eine schnelle biologische Abbaubarkeit (zu +93% in 99 Tagen) in der Umwelt – ohne chemische Zusätze. Dies und die Recyclingfähigkeit waren der Hauptfokus in der Entwicklung. Am Lebenszyklus-Ende kann das Material entweder industriell kompostiert oder chemisch recycelt werden.

Worin liegen Herausforderung und Potenzial?
Besonders die Fähigkeit sich vergleichsweise schnell und ohne besondere industrielle Bedingungen, biologisch abbauen zu können, ist ein Vorteil. Andere synthetische Materialien weisen diese Fähigkeit üblicherweise nicht auf. Auch die Kreislauffähigkeit der Faser ist grundsätzlich etwas Gutes.

Allerdings gilt auch hier: es handelt sich um einen synthetischen Stoff und auch das wiederholte Recycling hinterlässt Spuren in der Umwelt.

Wo zu finden: naNea wird beispielsweise verwendet in Produkten von Nikin (Bild).

RCO100-Garn von Säntis Textiles AG (CH, 2016)

Was ist das?
Die laut Herstellenden weltweit erste zu 100 Prozent recycelte Baumwollfaser.

Warum nachhaltig?
Das Schweizer Unternehmen Säntis Textiles hat ein Textilrecyclingsystem  entworfen, bei dem aus Textilabfällen ohne Wasser oder Chemikalien langstapelige Baumwollfasern zurückgewonnen werden. Diese bedeutet, dass nach dem Recycling der Baumwolle eine höhere Qualität als bisher gewährleistet werden kann und auch keine neuen Baumwollfasern hinzugefügt werden müssen.

Worin liegen Herausforderung und Potenzial?
Eine bekannte Problematik bei der Verwendung von Baumwolle ist der hohe Wasserverbrauch. Der wasserarme Recycling-Prozess von Säntis Textiles verfolgt da deshalb einen wichtigen Ansatz.

Wo zu finden: RCO100-Garn wird beispielsweise verwendet in eigener Produktlinie (Bild). Zudem kommt es auch bei Nikin und in der neusten Kollektion von  Alexander McQueen vor.

Was kannst du im Sinne der Nachhaltigkeit tun?

Die Vielfalt an neuen Begriffen und zukunftsweisenden Fasern mag im ersten Moment überwältigend wirken – doch lass dich von der grossen Auswahl an verschiedenen Materialien nicht verunsichern! Es lohnt sich, einen Blick hinter die Kulissen zu werfen und nach Hintergrundinformationen zu suchen. Mit diesem Wissen im Gepäck kannst du beim nächsten Einkauf die bestmöglichen, bewussten Entscheidungen treffen.

Ausserdem ist es toll zu sehen, wie innovativ die Textilindustrie – auch in Punkto Nachhaltigkeit – unterwegs ist. Viele dieser spannenden, nachhaltigeren Materialien sind längst keine Zukunftsvision mehr, sondern bereits heute in unseren Kleidern, Taschen und Accessoires verfügbar. Wir haben es selbst in der Hand, diese Pionierarbeit zu unterstützen und Schritt für Schritt die Modezukunft mitzugestalten.

In Kürze:

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