Nachhaltiger Badespass: Modeinspiration für einen kühlen Sommer
Die warme Phase des Jahres ist da, und wie! Aufgrund der Hitze möchten wir uns aktuell nur in die nötigste Kleidung hüllen. Umso besser, wenn es dabei gelingt, die eigenen Fashion-Anforderungen und die Bedürfnisse der Umwelt zu kombinieren. Wir zeigen euch nachhaltigere Optionen auf, damit ihr informiert entscheiden könnt.
Sommer, Sonne, Badespass? Damit das Wasser, das uns Abkühlung bietet, nicht unnötig durch Chemikalien und Mikroplastik belastet wird, lohnt sich ein genauer Blick hinter die Fassade der Nachhaltigkeits-Versprechen der Modeindustrie.
Das Handlungsprinzip der Nachhaltigkeit kann auf unterschiedliche Weise umgesetzt werden. Dabei können verschiedene Ansätze auch zu Zielkonflikten führen. So sind Naturfasern zwar biologisch abbaubar, ihr Anbau benötigt jedoch oft viele Ressourcen. Ein Unternehmen produziert lokal, während ein anderes Arbeitsplätze in den Herkunftsländern der Rohstoffe schafft. Deshalb ist es wichtig, die Vor- und Nachteile der verschiedenen Möglichkeiten sorgfältig abzuwägen.
Wir möchten euch eine Orientierung geben, damit ihr den Fokus bewusst auf eure Bedürfnisse setzen könnt.
Für mehr Durchblick gehen wir hier auf drei Kategorien ein, die aus unserer Sicht einen wichtigen Nachhaltigkeitsfaktor haben:
- Kreislaufwirtschaft: Ressourcenschonende und transparente Produktions- und Konsumweisen, die Produkte und Materialien möglichst in einem geschlossenen Kreislauf halten und nachhaltiges Wirtschaften fördern.
- Material: Auswahl der Materialien, z. B. recycelte oder biobasierte Kunstfasern sowie organische Naturfasern. Je nach Material gibt es unterschiedliche Vor- und Nachteile hinsichtlich Umweltbelastung, Haltbarkeit und Recycling.
- Langlebigkeit: Bewusste Auswahl, sorgfältige Pflege und Reparatur von Produkten, damit sie möglichst lange genutzt werden können.
Beispiele für nachhaltige Bademode –
wo liegt dein Fokus?
Verschiedene Unternehmen verfolgen unterschiedliche Ansätze, um nachhaltig zu agieren. Wir stellen vor, was sie anbieten.
FOKUS: Kreislaufwirtschaft
Ein geschlossener Kreislauf ist wichtig, um die drei Dimensionen der Nachhaltigkeit (Ökologie, Ökonomie und Soziales) langfristig in Einklang zu bringen.
Neumühle, Zürich
- Was bieten sie an: Bademode aus recycelten Fischernetzen.
- Warum nachhaltig: Wiederverwertung von Kunststoff-Müll statt Vernichtung, was gut für den Kreislauf ist. Ausserdem wird auch ein Repair-Service für eigene Produkte angeboten.
- Pro & Contra: Es wird zwar Plastik aus den Gewässern geholt und wiederverwertet, aber kleine Teile davon gelangen auf anderem Wege und in anderer Form wahrscheinlich wieder dorthin zurück. Zudem wird das für die Bademode verwendete Recycling-Garn Econyl mithilfe eines chemischen Recyclingverfahrens hergestellt, dessen Nutzen und Umweltauswirkungen in der Fachwelt umstritten sind.
(Zusatzinfo zur Kritik betreffend chemischem Recycling: Greenpeace kritisiert in ihrem Bericht unter anderem, dass in der Industrie suggeriert werde, dass der wiederholbare Recycling-Kreislauf (wie z.B. bei Econyl) ohne Qualitätsverlust die Überproduktion von neuem Plastik in synthetischen Textilien legimitiere.)
Roundriver, Zürich
- Was bieten sie an: Bademode aus recycelten PET-Flaschen.
- Warum nachhaltig: Wiederverwertung von Kunststoff-Müll statt Vernichtung, was gut für den Kreislauf ist. Zudem sammelt der Gründer die Flaschen von Hand aus der Limmat. Wir finden, das ist lobenswerter Einsatz mit Herzblut. Ausserdem wird alles lokal in einem Radius von 140 km produziert.
- Pro & Contra: Sie setzen komplett auf mechanisches Recycling. Aus ökologischer Sicht gilt dies als die sinnvollste Form. Aber auch hier: Es wird zwar Plastik aus den Gewässern geholt, jedoch gelangen kleine Teile davon wieder auf anderem Wege und in anderer Form wieder dorthin zurück.
Beide Produkte stammen aus recyceltem Kunststoff. Es existieren aber auch andere synthetische Optionen sowie Zwischenformen. So kommt beispielsweise vermehrt bio-basiertes Polyamid (gehört zu den Kunststoffen) zum Einsatz. Mehr dazu im nächsten Abschnitt.
Wenn ihr noch genauer wissen wollt, wie die Kreislaufwirtschaft im Textilbereich funktionieren kann – hier geht’s zum Artikel: Lerne die Kreislaufwirtschaft kennen. Auch unser Interview mit Tina Tomovic, Dozentin an der Hochschule Luzern, gibt spannende Einblicke ins Thema: Kreislaufwirtschaft in der Mode – über Haken, Hebel und Hoffnung.
FOKUS: Material
Natürliche Materialien oder synthetische Stoffe – welche Wahl triffst du?
Für organische Materialien sprechen vor allem ihre Hautfreundlichkeit und Umweltverträglichkeit. Nachteile sind jedoch ihre geringere Strapazierfähigkeit und Formbeständigkeit sowie der höhere Pflegeaufwand. Zudem kann der Anbau – je nach Rohstoff – viele Ressourcen benötigen. Eine Ausnahme ist beispielsweise recycelte Bio-Baumwolle. Durch den Recyclingprozess verliert sie jedoch an Festigkeit und eignet sich deshalb nur eingeschränkt für funktionelle Badekleidung.
Die künstliche Option bietet dafür mehr Robustheit, Formbeständigkeit und Langlebigkeit. Allerdings können sie bei der Nutzung Mikroplastik und Chemikalien an das Wasser abgeben. Zudem werden viele synthetische Fasern aus fossilem Erdöl hergestellt.
Lovjoi, Hanau
- Was bieten sie an: Badekleider und Bikinis aus bio-basiertem Polyamid und Elasthan (20%).
(Zusatzinfo zum Material: Laut Hersteller handelt es sich bei dem Material (Bio-Based Evo®) um ein Polyamid, das aus dem Öl der Rizinuspflanze gewonnen wird und damit um eine innovative komplett erneuerbare, sehr wassersparende und somit nachhaltige Ressource ist.)
- Warum nachhaltig: Eine Frage, die sich hier nicht so einfach beantworten lässt. Biobasierte Kunststoffe wie EVO® gelten als interessante Alternative zu herkömmlichem Polyamid aus Erdöl und werden im Marketing oft als Innovation gefeiert, gelten in Wissenschaftskreisen aber als umstritten. Doch halten sie auch, was sie versprechen? Die Antwort lautet: Es kommt darauf an. Einige Fachleute sehen Vorteile, weil nachwachsende Rohstoffe verwendet werden und sich dadurch CO₂-Emissionen reduzieren lassen können. Andere kritisieren, dass das Grundproblem synthetischer Textilien bestehen bleibt: Auch biobasierte Kunststoffe können Mikroplastik ins Wasser abgeben. Ausserdem wird die Bademode laut Lovjoi unter fairen Arbeitsbedingungen in Portugal produziert.
- Pro & Contra: Biobasierte Kunststoffe sind also kein Wundermaterial – aber auch nicht per se schlecht. Ob sie nachhaltiger sind als herkömmliche Kunststoffe, wird weiterhin diskutiert. Letztlich kommt es darauf an, welche Aspekte der Nachhaltigkeit dir besonders wichtig sind. Findest du jedoch hier deinen Bikini fürs Leben, kann das im Einzelfall trotzdem ein wichtiger Beitrag zu mehr Nachhaltigkeit sein.
[Empfehlungen aus der Insta-Welt von Wasteless Hero]
Zubek, POL
- Was bieten sie an: Bademode entweder aus Bio-Baumwolle (98%), Merinowolle (98%) oder Algenfaser (28%) – jeweils mit Elastananteil. Sowie Produkte aus einem Gemisch aus Tencel (66%), Bio-Baumwolle und Elastan.
- Warum nachhaltig: Natürliche Fasern, auf Schadstoffe getestet und GOTS-zertifizierte Bio-Baumwolle.
- Pro & Contra: Bio-Baumwolle ist super, der Pflegeaufwand ist aber höher als bei synthetischen Varianten.
- Was bieten sie an: Bademode aus Bio-Baumwolle (98%) mit Elastananteil.
- Warum nachhaltig: Natürliche Fasern und GOTS-zertifiziert.
- Pro & Contra: Bio-Baumwolle ist super, der Pflegeaufwand ist aber höher als bei synthetischen Varianten.
Isole Vulcani, IT
- Was bieten sie an: Bademode aus Bio-Baumwolle (90-93%) mit Elastananteil.
- Warum nachhaltig: Natürliche Fasern und GOTS-zertifizierte Bio-Baumwolle.
- Pro & Contra: Bio-Baumwolle ist super, der Pflegeaufwand ist aber höher als bei synthetischen Varianten.
Pepper Vally, GR
- Was bieten sie an: Bademode aus Baumwolle (98%) mit patentierter 3D-Doppellagen-Strickstruktur mit Mikro-Löchern (für schnelle Trocknung und mehr Elastizität).
- Warum nachhaltig: Natürliche Fasern mit geringem Synthetikanteil und innovativer Technik.
- Pro & Contra: Baumwolle ist gut, Bio-Baumwolle wäre noch besser und der erwähnte Pflegeaufwand eben.
Wenn ihr mehr über Textilien und deren Zukunftstrends erfahren möchtet, empfehlen wir euch die Artikel: Nachhaltige Materialien: Gestalte deinen Kleiderschrank umweltfreundlich und Modezukunft anziehen: Innovative Materialien auf dem Vormarsch.
FOKUS: Langlebigkeit
Wenn ein Kleidungsstück den eigenen Wünschen entspricht und richtig gut passt, steigen die Chancen, dass es lange getragen wird – oder nicht? Und genau darin steckt oft der grösste Nachhaltigkeitsfaktor.
Sanikai, Zürich
- Was bieten sie an: Badeanzüge, die komplett in der Schweiz hergestellt werden.
- Warum nachhaltig: Die Badeanzüge werden auf Anfrage aus recyceltem Nylon gefertigt. Dadurch wird nur produziert, was tatsächlich bestellt wird – und eine Überproduktion vermieden.
- Pro & Contra: Recyceltes Nylon hat den Vorteil, dass vorhandene Materialien wiederverwendet werden, anstatt neue Kunststoffe herzustellen oder alte zu entsorgen. Dennoch bleiben die Nachteile synthetischer Fasern für Mensch und Umwelt bestehen.
Volans, Zürich
- Was bieten sie an: Figurformende Badeanzüge und Bikinis, die sich dank des Mix-and-Match-Konzepts individuell zusammenstellen lassen.
- Warum nachhaltig: Das Unternehmen setzt auf eine möglichst lokale Produktion sowie die Zusammenarbeit mit einem Familienbetrieb in Kroatien, in dem ein Grossteil der Näherinnen Mütter sind. Dies schafft wichtige Arbeitsplätze zu fairen Bedingungen. Zudem wird hier grosser Wert auf figurformende Designs und verschiedene Schnittführungen gelegt, und damit auch auf eine idealerweise lange Tragedauer.
- Pro & Contra: Das Unternehmen legt den Fokus auf kurze Transportwege, faire Arbeitsbedingungen und langlebige Produkte. Laut Unternehmen stammen Materialien und Zubehör aus einem Umkreis von rund 500 Kilometern. Die Stoffe sind nach Oeko-Tex® auf Schadstoffe geprüft, bestehen jedoch ausschliesslich aus synthetischen Fasern.
Madame Pierre, Rapperswil
- Was bieten sie an: Badeanzüge und Bikinis, die nach dem Mix-and-Match-Prinzip oder als Massanfertigung erhältlich sind.
- Warum nachhaltig: Die Inhaberin fertigt alle Stücke komplett selbst in ihrem Atelier an – auf Wunsch und nach Mass. Dies kann die Wahrscheinlichkeit erhöhen, etwas zu finden, das langfristig bleibt.
- Pro & Contra: Der Fokus liegt auf persönlicher Handarbeit und ebenso auf kurzen Transportwegen. Verwendet werden Oeko-Tex®-geprüfte Stoffe. Allerdings bestehen diese – wie bei vielen Badeanzügen – ausschliesslich aus synthetischen Fasern.
Ein nachhaltiges Kleiderleben beginnt beim Kauf und entscheidet sich langfristig im persönlichen Umgang. Weitere passende Infos dazu findet ihr in folgenden Artikeln: Orientierung beim Kleiderkauf leicht gemacht – eine Übersicht der Textillabels und 7 Tipps wie du deine Kleidung nachhaltig pflegst.
Es gibt verschiedene Wege in Richtung Nachhaltigkeit. Die Entscheidung muss dabei nicht von Verzicht getrieben sein. Bewusstes und reflektiertes Handeln ist nachhaltiger.
Was ihr sonst noch tun könnt:
- Tipp gegen Mikroplastik und Produktionsrückstände: Wasche neue Badebekleidung vor dem ersten Sprung in den See oder ins Meer ein paar Mal zuhause, um Umweltbelastung vorher abzufangen. So gelangen Rückstände zunächst ins Abwasser, wo sie in Schweizer Kläranlagen grösstenteils herausgefiltert werden können – in der Natur bleibt diese Möglichkeit aus.
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